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Arbeitskreis (AK) Evolutionsbiologie
im Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in
Deutschland (VBIO)
Aktuelles
11. Mär. 2010
Rasche allopatrische Artbildung beim Badischen
Riesen-Regenwurm
Im zu Ende gegangenen 'Darwin-Jahr 2009' wurde der
britische Evolutionsbiologe weltweit gefeiert, aber der
Regenwurm-Forscher gleichen Namens weitgehend ignoriert.
Charles Darwin (1809-1882) begann seine
eigenständige wissenschaftliche Laufbahn aber mit
einem Aufsatz über Regenwürmer (1837) und
beendete seine Karriere nahezu 45 Jahre später mit
seinem wenig bekannten "Worm-Book" (1881). In einer
aktuellen Veröffentlichung wird die Wirkung von
Darwins letztem Buch aufgezeigt. Unter anderem
entwickelte sich die Bodenbiologie aus Darwins
Erdumschichtungs-Theorie.
In diesem Zusammenhang haben die Evolutionsbiologen
Ulrich Kutschera (Universität Kassel/Stanford, USA)
und J. Malcolm Elliott (Freshwater Biological
Association, Cumbria, UK) die unter der Leitung des
Freiburger Zoologen Günther Osche (1926-2009) in den
1980er Jahren erarbeiteten Daten zur Artbildung beim
Badischen Riesen-Regenwurm (Lumbricus badensis)
neu analysiert. Der bis 34 cm lange Lumbricus
badensis, eine neo-endemische Spezies, wurde erst
1906 entdeckt und bewohnt ein nur kleines Areal im
Südschwarzwald, Höhenlagen 300 bis 1400 Meter.
In den relativ sauren Böden fehlt der gemeine
Regenwurm, Lumbricus terrestris.
Biogeographische Studien haben gezeigt, dass der letzte
gemeinsame Vorfahre von Lumbricus badensis und der
kleineren Schwesterart Lumbricus friendi vor
weniger als 10 000 Jahren gelebt hat (Ende der letzten
Eiszeit). Infolge einer geographischen Isolation durch
den Rhein entstanden
Lumbricus-Gründerpopulationen, die im
Südschwarzwald die damals Regenwurm-freien sauren
Böden besiedelt haben. Im Verlauf von nur wenigen
tausend Jahren sind die heute geographisch und
reproduktiv isolierten Spezies Lumbricus badensis
und Lumbricus friendi entstanden. Die Frage, wie
Lumbricus badensis in so kurzer Zeit eine
derartige Körpergröße evolvieren konnte,
ist offen. Möglicherweise hatten große
Würmer einfach eine bessere Überlebenschance im
neu besiedelten Lebensraum. Der Regenwurm-Forscher
Charles Darwin hätte sich wahrscheinlich für
diese rasche allopatrische Artbildung interessiert: In
seinem Buch On the Origin of Species hat er die
Frage nach den Artbildungsmechanismen als das
"Rätsel aller Rätsel" bezeichnet, das erst
seine Nachfolger teilweise lösen konnten.
U. Kutschera & J. M. Elliott (2010). Charles Darwin's
observations on the behaviour of earthworms and the
evolutionary history of a giant endemic species from
Germany, Lumbricus badensis (Oligochaeta:
Lumbricidae). Appl Environm Soil Sci 2: 1-11.
doi:10.1155/2010/823047. (Open access
article).
7. Jan. 2010
In der Serie "Five Questions" ist zum Ende des
Darwin-Jahres 2009 ein Band zum Thema Evolution
erschienen. Wie es im Vorwort nachlesbar ist, wurden von
den Herausgebern "outstanding scholars in the field of
evolutionary biology and philosophy" zu wichtigen
allgemeinen Fragen interviewt. International anerkannte
Wissenschaftler wie P. Bateson, J.T. Bonner, D.C.
Dennett, D.J. Futuyma, D.L. Hull, U. Kutschera, M. Ruse,
D.S. Wilson u.a. liefern Einblicke in ihre Arbeits- und
Denkweise, wobei gesellschaftliche Bezüge, wie z.B.
der Kreationismus, ebenfalls thematisiert werden.
G. Oftedal et al., Eds, Evolutionary Theory: 5
Questions. Automatic Press, VIP, USA, 2009.